Lucas Handicap schränkt seinen Ehrgeiz nicht ein

Der Young Coach trainiert Menschen mit Beeinträchtigungen - und hat selbst eine
Bei den Youngstars nicht nur Spieler, sondern auch Trainer: Young Coach Luca (Foto: werder.de).
WERDER BEWEGT
Mittwoch, 27.11.2019 / 17:05 Uhr

Von Sophia Ahrens

Lucas Stimme hallt, wenn er durch die meterhohe Indoor-Soccerhalle schreitet. "Manchmal muss ich etwas lauter werden, als ich eigentlich möchte", gibt er zu. Energisch sind seine Schritte, wenn er die bunten Hütchen auf dem Kunstrasen verteilt. Als Trainer geht er voran, als Vorbild für die Kids, die ihm folgen. Als er 2010 anfing bei Werder zu kicken, war er einer von ihnen: ein Junge mit Handicap, der Fußball spielen wollte. Heute leitet er als Young Coach selbst die inklusiven Einheiten – trotz, oder gerade wegen seiner eigenen Beeinträchtigung.

„Kopf, Kopf, Fuß“, ruft er seinen Schützlingen im Kreis aus der Mitte zu, wenn er ihnen den Ball zuwirft. Bis vor ein paar Minuten stand bei der Übung noch eines der jüngeren Kinder an seiner Stelle. Das Resultat war eher chaotisch. Schnell getauscht, klappt es nun deutlich besser. „Ich bin durch die Ausbildung viel ruhiger geworden und kann besser auf die einzelnen Probleme der Jungs eingehen – und das muss ich auch“, reflektiert Luca seinen eigenen Weg zum Trainer. In seiner Gruppe haben einige Jugendliche gar keine, manche eine geistige, andere eine körperliche Behinderung. Sie alle trainieren zusammen. Die Ausbildung zum Young Coach, die Werder Bremen und andere Partnerclubs mit der SCORT Foundation anbieten, hat ihm nahegebracht, genau diese Herausforderung zu meistern.

Das Handicap ist für ihn keine Ausrede

„Wir haben ein Alters- und ein Leistungsgefälle, das muss man immer irgendwie verbinden“, beschreibt der 19-Jährige eins der Hindernisse, die er wöchentlich überwinden muss. Immer wieder entwickelt er gemeinsam mit anderen Coaches Trainingspläne, die die individuellen Behinderungen der Kicker berücksichtigen. „Aufwärmen, Hauptteil, Schluss – man muss sich überall Varianten überlegen“, sagt Luca nicht ohne Stolz.

Luca stellt sich beim Training auf die Bedürfnissen jedes Einzelnen ein (Foto: werder.de).

Während einer nach dem Slalom noch Drehungen um das Hütchen schafft, kann wieder ein anderer die kurzen Abstände noch nicht meistern. In der Young Coach-Ausbildung war Luca nach einer theoretischen Phase in Hennef eine Woche mit seinem Tandem-Partner als Mentor in Basel, um genau das in der Praxis zu lernen. Die Kontakte von damals helfen ihm heute noch weiter: „Manchmal frage ich in unserer Whatsapp-Gruppe nach Rat, wenn ich zum Beispiel spezielle Übungen für eine Gruppe mit vielen Teilnehmer brauche, die das Down-Syndrom haben.“

Die Beeinträchtigungen seiner Schützlinge hindern ihn aber nicht daran, einen gewissen Ehrgeiz von den Jugendlichen einzufordern. „Konzentriert euch!“ oder „Komm, schneller!“ sind oft in der Soccerhalle zu hören. Ein Anspruch, den er als Spieler auch immer noch an sich selbst stellt. Die Halbseitenlähmung, die man ihm gelegentlich beim schnellen Schritt oder Übungsaufbau anmerken kann, ist für ihn keine Ausrede. Seit Kindesbeinen ist er Werder-Fan, trainiert nach seiner Einheit als Coach noch selbst als Spieler in der Halle weiter. Inklusion und Werder – eine Kombination, die Luca durch seine eigenen Erfahrungen sehr zu schätzen weiß: „Es inspiriert mich, dass wir bei Werder offen sind für jede Herkunft und für jede Beeinträchtigung.“

Wenn Luca seine Jungs auch mal etwas lauter in die Mitte ruft, kommen alle sofort zusammen. Konsequentes Auftreten hat er mittlerweile gelernt. Die Jungs kämen inzwischen sogar mit persönlichen Problemen auf ihn zu und berichteten, wenn sie mal einen schlechten Tag hätten. Ausgelernt hat Luca trotz seiner abgeschlossenen Young Coach-Ausbildung trotzdem noch nicht: „Jetzt muss ich es schaffen, auch zu den Eltern einen besseren Zugang zu finden – das ist meine nächste Baustelle.“

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